Die hannoversche Körkommission muß 1960 einer höheren Eingebung gefolgt sein, als sie einen kleinen, drallen Fuchs in eine Hengstlaufbahn entließ, mit Sicherheit ohne zu ahnen, daß dies einmal einer der bedeutendsten Hengste der Hannoveraner Zucht werden sollte. Der knubbelige, kurzlinige Graf-Sohn rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen aber schon recht bald. Aus der Wirkungszeit in Achim (Nähe Bremen) gingen drei seiner bedeutendsten Hengstssöhne hervor: Graphit, Gralsritter und Glander.

Der kernige Graphit wurde seinerseits ein hochklassiger Vererber und brachte die geschätzten Privatbeschäler Gloster, Grannus, Gundstein I und Grundstein II sowie den Warendorfer Landbeschäler General I als bedeutendste Söhne. Der stark gebaute und etwas typlose Gralsritter dagegen führte lange ein Schattendasein und kam erst im hohen Alter zu Weltruhm durch seine excellent springenden Kinder (u.a. der gekörte Grandeur/Thomas Frühmann; dreifacher Sieger im Deutschen Springderby). Der mächtige Glander war HLP-Sieger und hatte züchterisch große Chancen, wobei er nicht alle Hoffnungen erfüllte. Er empfahl sich auch durch seine Bruderschaft zum Olympiapferd Grande Giso/Johan Heins und brachte der Zucht den Springpferdemacher Gletscher.

Aus der Achimer Schaffensperiode des Grande resultieren auch der in Belgien zu hohen Ehren gelangte Hengst Goldfalk und die internationalen Springstuten Graciosa/Peter Sünkel und Gute Sitte 2/Eric Wauters sowie der braune Wallach Grande/Paul Schockemöhle.

1967 wurde Grande umstationiert nach Landesbrück, damals wie heute einer der führenden Stationen im Einzugsbereich des Landgestüts Celle.

Auch hier hat er vom Fleck weg zu überzeugen vermocht: Aus dem ersten Jahrgang (1968) stammte der antrittsstarke Fuchs Grunewald, der analog Graphit lange als Aktionstraber bei den Celler Hengstparaden brillierte. Grunewald hat sowohl Dressur- wie auch Springpferde für höchste Ansprüche gezeugt, getreu seinem Vater Grande und seinem Halbbruder Graphit, wobei das Olympiapferd Grunox /Monica Theodorescu sein bekanntester Nachkomme im Sport war.

Die Grunewald-Söhne Grenadier und Grandseigneur, beide aus Halbblutstuten gezogen, waren bzw. sind gefragte Vererber. Der vielseitig veranlagte und ausgesprochen typbrillante Grenadier hätte züchterisch wesentlich mehr Einfluß nehmen können. Er war aber einerseits unglaublich deckfaul und andererseits nicht sonderlich fruchtbar. Ein Kriterium, das er leider auch an Töchter und Söhne weitergegeben hat.

Der gekörte Grenadier-Sohn Golfstrom I, mit Ann-Kathrin Kroth 1990 WM-Goldmedaillengewinner mit der deutschen Mannschaft, hat sehr schlecht befruchtet und schied insofern schon früh aus der Zucht aus.
Ein sehr bedeutender Grande-Sohn aus der Landesbrücker Periode wurde der Fuchs Garibaldi II, der zum Spitzenvererber avancierte, leider aber schon 14jährig einging. Eine ganze Reihe an Spitzensportpferden vermochte Grande in Landesbrück zu stellen, so u.a. Grandison und Galapagos/beide mit G. Grillo, Gratulant 2/Gerd Wiltfang, Santa Gruz/W. Bettinger und zahlreiche mehr.

Das derzeit erfolgreichste Dressurpferd weltweit, Gigolo FRH/Isabell Werth, ist über den ansonsten negativ eintaxierten Graditz ein Grande-Enkel. Grande war der erste und bisher einzige Hengst dem die niedersächsiche Gestütsverwaltung aufgrund seiner großen Verdienste das Gnadenbrot gewährte, welches er zwei Jahre fraß, ehe er 1989 im 31. Lebensjahr abtrat.